Per Bike zum Damavand 5.671m

Primaloft Expedition Österreich – Iran – Damavand 2012

GRENZENLOS NAHOST – eine 5.500km lange Reise mit Rennrad und Tourenski
In 29 Tagen von Innsbruck, Goldenes Dachl, auf den Gipfel des Damavand 5.671m
Günter Burgsteiner und Gerrit Glomser

Der Film GRENZENLOS NAHOST wurde am Eröffnungstag des 18. Filmfest St. Anton am 28. August 2012 erstmals gezeigt und ist im Rahmen der Dynafit & Primaloft ALPINE ATHLETE FILM TOUR 2012 in ganz Europa unterwegs.

30. Tag 9. Mai: Rückfahrt nach Teheran. Organisatorisches: Flugticket besorgen, Karton zum Verpacken der Räder, Räder zerlegen, letzter Besuch in der Botschaft. Um 1.00 Uhr Nachts Abflug nach Wien.

ERFOLGREICHER ABSCHLUSS DES PROJEKTES
29. Tag 8. Mai: Seit 6.00 Uhr beobachten wir das Wetter. Der Wind ist schwach, Wolken hängen dicht. Um 9.30 Uhr plötzlich blinzelt die Sonne durch und um 12.00 Uhr können wir starten, um 3 Stunden später am höchsten Punkt des Vulkankraters zu stehen. Die Stimmung ist gewaltig! Gewittertürme um uns herum, zwischendurch leichter Schneefall, Schwefelsäulen steigen immer wieder aus dem Boden, wodurch der ganze Berg nach faulen Eiern stinkt. Nun folgt eine geniale Ski Abfahrt. 50 Meter unter dem Gipfel legen wir die Ski wieder an und fahren bis 200 Meter vor die Moschee. Schnee in allen Varianten: hart abgekratzt, weich, fast pulvrig und zum Schluss werden wir mit Firn belohnt! Zu Fuß geht es in gerader Linie hinunter zur asphaltierten Straße und zur Federation, wo uns ein hilfsbereiter Mann die Räder bringt, die er in der Zwischenzeit sicher verwahrt hatte.

28. Tag 7. Mai: Heute ist nichts tun, warten, schlafen angesagt. Draußen stürmt es, zeitweise Schneefall, an einen Aufstieg zum Gipfel ist heute nicht zu denken. Abends lockert es etwas auf. In der Hütte ist es steinig-feucht und kalt, natürlich gibt es keine Heizung. Selbst vor der Türe ist es wärmer.

27. Tag 6. Mai: Zuerst geht es mit dem Rad auf Asphalt über Almen, danach auf Erde, Sand und Steinpiste hinauf zur Moschee auf 3.100m, wo wir unsere Radschuhe endgültig gegen Skischuhe eintauschen. 200m hinter der Moschee legen wir die Skier an und steigen gemütlich auf 4.200m zu einer neu erbauten, richtigen Hütte auf. Ein Irani ruft uns schon von weitem Zu: welcome Austria, come in your friends is waiting ! Gerrit und ich schauen uns an und fragen uns, ob man hier etwas weiß, was wir noch nicht wissen. Dann ist es eine Überraschung, einen meiner Blizzard-Kollegen Manfred T. an zu treffen, der mit weiteren 5 Österreichern gerade vom Gipfel herunter gekommen ist. Ich bin Sprachlos. Das Treffen fiel leider nur kurz aus, denn die Truppe wollte heute noch nach unten.

26. Tag 5. Mai: Über einen 2.700m hohen Pass fahren wir nach Rineh, ein Bergdorf auf 2.200m, und quartieren uns in der Federation Mount Damavand ein. Wir genießen unsere finanzielle Unabhängigkeit und den Blick auf den Damavand. Es gibt Schnee, juchee! Oben sieht man starken Wind wehen.

25. Tag 4. Mai: Teheran. Strömender Regen am Busbahnhof in Teheran. Wir lassen uns von jemandem mit einem Pickup zur Botschaft bringen, wo wir mit Salzburger Mozartkugeln empfangen und Bargeld versorgt werden. Noch am selben Nachmittag sitzen wir schon wieder auf dem Rad. 70km und 1.000hm Richtung Damavand bis zu einer Unterkunft. Endlich sind wir wieder frei! Landschaftlich sind wir jetzt am Mond angekommen, nass werden wir auch noch mal. Menschlich gesehen können wir den Iran nur empfehlen. Radfahren im Iran, selbst in Teheran (10 Mill. Einwohner) ist ein Spaß, es wird Rücksicht genommen, angefeuert und applaudiert.

24. Tag 3. Mai: Khoy. Mit langem Hin und Her zwischen Hotel und Botschaft sind wir hier schuldenfrei und können uns am Abend in den Nachtbus nach Teheran setzten. Hätten wir unsere Reise mit unseren Rädern fort gesetzt, hätte uns die Botschaft nicht mit Bargeld unterstützt.

23. Tag 2. Mai: Khoy. Kurz vor Mittag gehen wir zur Bank, um unsere Geldüberweisung in Empfang zu nehmen. Negativ, kein Geld da. Wieder zurück im Hotel telefonieren wir mit der Bank in Österreich, und wir erfahren, dass es nicht möglich ist, Geld in den Iran zu überweisen. Keine Chance. Zurück in der Bank sprechen wir diesmal mit einer schwarz vermummten Dame in gutem Englisch, die uns rät, zurück in die Türkei zu fahren, dort Geld zu beheben, und im Iran zu wechseln. Für dieses Vorhaben wird uns sogar Geld geliehen. Rasch ist ein Taxi organisiert und Gerrit ist schon unterwegs Richtung Grenze. Ich bleibe als Pfand im Hotel zurück. Was jetzt kommt ist wieder eine Geschichte für sich.
Aus Langeweile und mit schlechtem Bauchgefühl blättere ich durch meinen Reisepass und schaue auf das Iran-Visum.
Dabei sticht mir das Wort ins Auge: Number of entries: ONCE
Alarm in meinem Hirn, so schnell war ich noch nie beim Telefon an der Hotel Rezeption. Hoffentlich geht das Netz. Hoffentlich funktioniert das Telefon. Hoffentlich hat Gerrit die Grenze noch nicht passiert. Ich erreiche ihn beim 5. oder 6. Versuch und sage nur: auf keinen Fall ausreisen, sondern unbedingt im Iran bleiben und zurück ins Hotel kommen! Das Telefonnetz hält und wir können schließlich noch ein paar Sätze mehr sprechen. Bei seiner Rückkehr erzählt er mir dann, dass er gerade an der türkischen Seite zur Einreise stand und nur mit einigem Aufwand und Menschenansammlung und wildem Englisch wieder retour konnte.
Ich hatte inzwischen die österreichische Botschaft in Teheran kontaktiert. Der Konsul hat mir erklärt, dass seit ca. 1 Monat jeglicher Geldtransfer mit dem Westen unterbunden ist. Selbst die Botschaft kann kein Geld direkt überweisen.

22. Tag 1. Mai: Khoy. Beim Aufwachen sagt Gerrit zu mir: heute stellen sie bei uns den Maibaum auf! Weder er noch ich haben dabei aber an den damit verbundenen österreichischen Feiertag gedacht. Nach dem Frühstück gehen wir gleich in die Bank, um Geld zu beheben. Der Bankangestellte macht uns jedoch mit gebrochenem Englisch klar, dass wir mit diesen Karten, Bankomat und Kredit, im Iran nicht weit kommen werden. Es entwickelt sich ein Gespräch, das aufgrund der sprachlichen Barrieren und des Menschenauflaufs um uns herum interessant wurde, in dem wir immerhin Swift und Iban für einen Geldtransfer bekommen. Zurück im Hotel schicke ich ein email an meinen Bankberater. Gleichzeitig, um die Sache zu beschleunigen, rufe ich ihn um 6.30 österreichische Zeit an. Von ihm erfahre ich dann vom Feiertag. Also ist Warten angesagt.

21. Tag 30. April: Van – Khoy 176km 2.300hm. Über Schotter und Staubstraßen kommen wir auf eine Hochebene, von der aus es wieder in eine mondartige Schlucht geht. Auf der Bergkette am Horizont sind bereits die Wachtürme der Grenze zu sehen. Grenze Türkei – Iran problemlos passiert. Khoy ist die erste Stadt ca. 60km nach der Grenze. Die Stadt pulsiert. Unsere Versuche, erstmals iranisches Geld ab zu heben, scheitern. Es gibt zwar mindestens 25 Bankomaten, aber keiner spuckt aus.

20. Tag 29. April: Güroymak – Van 35km 500hm. Heutiges Ziel ist das Westufer des Vansees, wo wir eine Zug-Fähre erreichen wollen. Deshalb stehen wir wieder um 4.30 auf, da uns niemand im Vorfeld Informationen über diese Fähre geben konnte. Unsere Arbeitshöhe beträgt ab heute 1.600m, es ist frisch. Wir ziehen unsere dicken Primaloft Jacken über und kommen dem Schnee erstmal ganz nahe. Die Fahrt auf der Fähre ist ein besonderes landschaftliches und technisches Highlight. Ich habe mir meinen eigenen Notfallplan gemacht und mich in der Nähe einer funktionierenden Schwimmweste aufgehalten, um so meine Nerven zu beruhigen. Nichtschwimmer sollten diese Fähre meiden! Van selbst ist immer noch gezeichnet vom schweren Erdbeben letzes Jahr.

19. Tag 28. April: Kovancilar – Güroymak 250km 2.200hm. Um 4.30 ist Tagwache, um der Hitze zu entgehen. Eine Mondlandschaft aus Steinwüste, Schafherden, über Pässe in den Schnee. Kinder kommen uns mit ihren bepackten Eseln am Straßenrand entgegen. Seit Ankara fahren wir auf einer Höhe von 1.000meter Seehöhe. Der Hitze angepasst fangen wir früh an und machen mittags 1-2 Stunden Pause.
Vom letzten Pass mit 1.770m geht es in eine überdimensional riesige Pfanne, in saftiges Grün mit großen Viehherden. Der Belag wird besser und mit dem Wind im Rücken purzeln die km. Mus war das eigentliche Ziel, aber bei uns läuft es und wir hängen noch 40km in einer knappen Stunde zum Abschluss dran. Zur Belohnung gibt es Gegrilltes, Salat und jede Menge Bier.

18. Tag 27. April: Malatya – Kovancilar 172km 1.800hm. Wir haben unseren Tagesablauf den Bedingungen angepasst. Um 10 Uhr hat es bereits 30 Grad, also stehen wir früh auf. Wir fahren durch eine traumhafte Seen-Landschaft, vorbei an Nomaden mit riesen Schafherden. Gerrit hilft einer Schildkröte über die Straße, wir beobachten Störche. Da sind wir uns einig: so macht Radfahren Spaß! Ab Nachmittag gibt es Wolken und Gewitter um uns herum, das kühlt uns beim Fahren etwas ab. Trotzdem bleiben wir trocken.

17. Tag 26. April: Pinarbasi – Malatya 243km über 3.000hm. Heute geht es richtig in die Berge, 4 Pässe mit 1.860, 1.800, 1.900 und 1.860hm stehen am Programm, dazu noch ein paar Hügel. Grandiose schöne Landschaft, die sich nach jedem Pass ändert, viele schneebedeckte Berge und Hochebenen mit Blüten übersät lassen uns die 30 Grad und mehr vergessen. Aufgrund der Schneemenge, die wir hier sehen können, sind wir zuversichtlich für den Damavand.

16. Tag 25. April: Kirsehir – Pinarbasi 226km 1.770hm. Mit 25km/h fahren wir ins Radar. Ein Polizist hält uns auf und macht sich einen Spaß mit uns. Es sah so aus, als wollte er tatsächlich Geld von uns, schließlich ließ er uns weiter ziehen. Am Straßenrand verkaufen mobile Händler alle Arten von Nüssen. Der Straßenbelag ist rau und grob und so kommt es, dass auch mir das erste mal die Luft ausgeht: im Vorderreifen. Wir nützen alle Spuren der Straße, um den besten Belag zu finden. Der erste richtige Pass mit 1.800m stellt sich uns in den Weg und zu unserer Rechten taucht ein weißer Bergriese auf.

15. Tag 24. April: Elmadag – Kirsehir 146km. Endlich wird es jetzt auch landschaftlich interessanter und schöner. Die Berge sind in Sicht und bei 27 Grad plus, einem Thermikwölkchen nach dem anderen und kaum Wind lässt es sich gut fahren – welcome Kapatokien. Am Ende des Tages sehen wir aus Streifenhörnchen. Endlose Weiten und Straßen Ende nie. Genial!

14. Tag 23. April: Ankara – Elmadag 40km. Mein rechtes Innenband weigert sich und lässt ein weiter fahren nicht zu. Ruhetag einlegen heißt die Lösung. Bloß gibt es keine Schlafmöglichkeit in diesem Dorf, dafür aber ein Dorffest. Die Hilfsbereitschaft der Türken übertrifft sich selbst und ich stehe kurz später mit meinem bisschen Türkisch am Festtisch der Abgeordneten neben dem Bürgermeister, der uns höchstpersönlich im Sportheim einquartiert. Wir verschlafen den Rest des Tages. Zum Abendessen werden wir geweckt und bekommen sogar doppelt Sütlac (Milchreis).

Bis heute waren es 14 Tage /2620 km /13.600hm, bei einem Durchschnitt von 26.60 km/h, und einer über durchschnittlichen Menge Wasser von oben!

13. Tag 22. April: Düzce – Ankara 231km 2.700hm. Aufgrund der Höhenmeter war das die wohl härteste Etappe bisher – dafür aber trocken. Erste kleine türkische Bergpässe (1570m). Beim Versuch, mit zwei Fahrrädern gleichzeitig zu fahren, habe ich mir wohl das Seitenband meines rechten Knies beleidigt. Ich habe dann beide Räder geschoben. Warum muss jetzt der Günter zwei Räder schieben? Gerrit ist ja nicht auf Urlaub, sondern hatte am Mittagstisch seine Arbeit am Handy erledigt und es daraufhin dort vergessen. Nach ca. einer halben Stunde Fahrzeit bergauf holte uns plötzlich ein Auto ein. Der Fahrer fragte uns, ob wir ein Handy vermissen. Gerrits Gesichtsausdruck hat Bände gesprochen. Der Mann nahm ihn dann im Auto mit retour, um es im Restaurant ab zu holen und brachte ihn wieder zu mir. Und während dessen hab ich eben geschoben.

12. Tag 21. April: Istanbul – Düzce 197km 1175 hm. Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir hochmotiviert los. Noch sieht man nur Häuser. Alles frisch gewaschen und ohne Fliegen im Nacken versuchen wir aus der Stadt raus zu finden. Eine 15ner Gruppe Rennradfahrer überholt uns. Erst ein Dumpfes Grollen lässt uns zum Himmel hinter uns blicken und zusammen zucken. Keine 5km weiter werden wir heftig eingeregnet, dazu noch eine, stark mit brauner Erde verschmutzte Straße, ganz super. Kurzzeitig bin ich voll demotiviert und denke darüber nach, Gerrit zu überreden einen Ruhetag zu machen. Nix da: Regenkleidung anziehen und weiter bis zu einer Tankstelle mit Restaurants. Gestriges Wäschewaschen war also umsonst. Groll! Wir beschließen, das Wetter abzusitzen, Gerrit schläft auf dem Tisch des Restaurants und ich beobachte das Treiben. Das Ganze Regen-Spiel dann noch 2x, allerdings finden wir schützende Dächer. Zum Glück sind es nur starke Gewitter mit zwischendurch Sonnenschein. In Düzce angekommen gibt es Pide und Efes und die Welt ist wieder in Ordnung.

11. Tag 20. April: Lüleburgaz – Istanbul 170 km 1440 hm. Ein entspannter Tag. Sonne, kaum Wind, gelb leuchtende Rapsfelder, wir kommen zum Meer, die 170 km nehmen wir durch die Vorstadt-Hektik kaum war. In der Stadt ist hohe Konzentration gefragt. Stadtbummel mit Hagia Sophia, dem Bazar und Fahrt mit der Fähre über den Bosporus auf die asiatische Seite. Brücke per Bike nicht erlaubt. Wir genießen den Rummel, Fragen kommen von interessierten Menschen aus aller Welt. Und natürlich Döner, Baklawa und Efes. Bei Bekannten von Gerrit werden wir vom feinsten untergebracht, rundum verpflegt, und strahlen in
frischgewaschener Kleidung duftend um die Wette. Das gepflegte Abendessen genießen wir mit türkischem Hefebier. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle nach Istanbul!!

10. Tag 19. April: Haskovo – Lüleburgaz 179km 1200hm. Wind von schräg vorne, eine Plagerei. Die Achillessehne ist gut, die Sonne lacht und es ist einiger maßen warm. Heute erreichen wir die türkische Grenze. Das freut mich am meisten, endlich Urlaub! Durch meine fünf Arbeitssommer in der Türkei ist mir das Land, seine Bewohner und die Sprache vertraut. In einem Ort kurz vor der Grenze (Harmanli) machen wir Mittag. Noch bevor wir unsere Räder zur Seite gestellt haben kommt ein Mann auf uns zu, stellt sich als Reporter vor, und interviewt uns. Eine schöne Abwechslung in unserem routinemäßigen Tagesablauf.
Unser Tagesablauf: Radkleidung an, Frühstück, Morgentoilette, packen, fahren bis knapp 13 Uhr, 30min Mittagspause, kurbeln bis zum Etappenziel (egal welche Tageszeit), Unterkunft suchen, Duschen, Essen, Planen des nächsten Tages und schlafen. So ist es auch heute. Positiv zu vermerken ist: es ist und bleibt TROCKEN!!! Übermäßige Sonnentätigkeit mit Hautreizung und Streifenbildung, Gerrit geht als österreichische Nationalflagge durch.

9. Tag 18. April: Sofia – Haskovo 222km 960 hm. Es schüttet wiedermal und es gibt Löcher in den Straßen. Bald schießt Gerrit eines davon ab, Resultat: Schlangenbiss am Hinterrad. Die Freude war nicht zu überhören! Windschatten fahren ist danach nicht möglich, weil das Schmutzwasser in alle Richtungen spritzt. Selbst die zusätzlich in Plastiksäcke gepackte Kleidung in der Packtasche, die unter einer Regenhülle steckt, wird heute nass, und die Reisverschlüsse klemmen wegen der Verschmutzung. Kurz vor dem Ziel gibt es dann noch ein massives Gewitter mit Sturm. Wir fahren mitten durch und so haben wir dann den Wind irgendwann im Rücken. Ein Fehler beim Anziehen macht mich schließlich auch noch gehunfähig: eine Falte meines rechten Überschuhs, die bei jedem Tritt  direkt auf meine Achillessehne drückt, verursacht bis zum Abend eine schmerzhafte Überreizung. Gerrit besorgt einige km entfernt Essen während ich uns einquartiere. Das schönste an diesem Tag ist wohl die etwas ungewöhnliche Dusche. Was für ein Tag!

8. Tag 17. April: Nis – Sofia 159km 840 hm. Der Tag beginnt hoffnungsvoll: alles trocken, aber wie lange?!? Der erste Teil der Strecke ist ein Genuss. Durch eine enge Schlucht mit steilen Felsabbrüchen, schlängeln wir uns einem Wildbach entlang, rundherum hohe Berge mit ersten Schneeflecken. So macht die Sache Spaß. Die restlichen 2/3 der strecke sind wir wieder gefordert: Seitenwind wie verrückt – man könnte meinen, wir seien besoffen!

7. Tag 16. April: Belgrad – Nis 244km 1620 hm. Seit 5 Tagen Regen, Gewitter und Wind. Langsam reichts! Temperaturen knapp über 5 Grad, die Straßen sind schlecht. Dann auch noch der Hund von rechts knapp vor unseren Vorderreifen. ?*’#*#?! Ablenkung finden wir auf der Autobahn, 95 km mit einem 40er Schnitt machen wieder gute Laune und Gerrits Füße trocknen. Auf einer Autobahnraststätte wird Mittag gemacht, und von den Fernfahrern gibt es erste Tipps für den Iran. Am Beschleunigungsstreifen dann gleich zwei Überraschungen: die Polizei und ein Reisnagel in Gerrits Hinterreifen. Was die beiden gemeinsam haben? Sie sind da wo man sie nicht braucht. Egal, der Reifen war schnell gewechselt, die Hüter des Gesetzes in der Zwischenzeit weg, und wir konnten wieder richtig los legen.

6. Tag 15. April: Szeged – Belgrad  213 km 280 hm Zimmer mit Frühstück in einem Privathaus. Wir starten zum zweiten Versuch, nach Serbien ein zu reisen. Aber: nur Staatsbürger der angrenzenden Länder dürfen diese Grenze passieren und wir sollen gefälligst die nächste nehmen. Unschuldiges schauen und Herumreden nützt hier nichts, wir müssen heute wieder umdrehen und zum nächst gelegenen Grenzübergang. Für uns bedeutet das 30km Umweg. Die nächste Überraschung: dieser Grenzposten ist nur über die Autobahn erreichbar. Die zwei Zöllner haben beim Anblick zweier Radfahrer auf der Autobahn ihre Unterhaltung nicht einmal unterbrochen, und wir konnten die erste „richtige“ Grenze (mit Kontrolle) passieren. Ein paar Kilometer weiter verlassen wir die Autobahn. Erst über einen Zaun klettern, dann die 2x25kg Räder darüber wuchten, über eine
Böschung hoch, um nach kurzer Fahrt mitten in einem Obstgarten auf einer Schotterpiste zu stehen. Danke GPS. Über das Wetter reden wir besser nicht, bis morgen wird es wohl trocken sein?!?

5. Tag 14. April: Budapest – Szeged 184km, 200hm. Der Tag beginnt fast langweilig, kein Regen, kaum Wind, lange Geraden, wenig Höhenmeter. Wir peilen einen kleinen Grenzübergang nach Szeged an, ein einspuriger, holpriger Landweg bringt uns zu einem halb geschlossenen Grenzschranken. Gut gelaunt fahren wir bis zum Häuschen, wo wir ohne die Chance, auch nur ein Wort zu sagen, von einem knurrenden Beamten gleich wieder verjagt werden. Während wir uns beratschlagen an Ort und Stelle, kommt gleich der nächste Angriff: das sei kein Parkplatz und auch kein Campingplatz, also verschwindet. Erst eine Dame in Uniform beantwortet uns eine Frage – ab 16.00 Uhr ist dieser Grenzübergang gesperrt – und wir verschwinden, zurück ins Dorf Zimmer suchen.

4. Tag 13. April: Mosnonmagyarovar – Budapest 192km, 770 Höhenmeter, in 7.45 h. Schlechte Straßen und ständiger Gegenwind. Es ist kühl und regnerisch, lange Geraden mit Gegenwind. Erst die letzten km vor der Stadt gibt es guten Asphalt und sogar einige Rennradfahrer, die uns interessiert bestaunen. Einer von ihnen fährt mit uns bis nach Budapest und lädt uns auf Kaffee und Kuchen ein. Geschlafen wird heute in einem Motel mit zuckerlrosa Zimmer und engen Treppen. Warm duschen, essen, Augen zu. Die Motivation ist groß, wir hoffen auf bessere Bedingungen in den nächsten Tagen.

3. Tag 12. April: Klosterneuburg – Mosonmagyarovar. Morgenerwachen bei 5 Grad und strömendem Regen – da gibts erstmal ausgiebiges Frühstück. Auch 10mal Wettervorhersagen ändern das Sau-Wetter nicht. Ich schlafe zusammen gekauert auf der Küchenbank, wo sonst. Wir können und möchten uns keinen Ruhetag leisten und starten vollverkleidet um 14 Uhr. Der erste Härtetest für Mensch und Material.
Immerhin 100km bis Mosonmagyarovar bei 5 Grad und Dauerregen in 3 Stunden.

2. Tag 11. April: Thalheim – Klosterneuburg 223km, 7h 55min, 300HM. Heute lief auf der schönen Strecke durch die Wachau alles nach Plan. Zuerst legal auf dem Radweg, dann auf der Bundesstraße. Dort fingen wir uns glatt den Verbots-Finger der Polizei ein, da hier abschnittsweise Radfahren verboten ist. Aber jeder wird verstehen: am Radweg durch die Dörfer, zum Teil auf Pflastersteinen, das können wir uns nicht leisten. wir sind ja nicht auf Pilgertour! Die Wetterbedingungen sind wieder auf unserer Seite und die Landschaft an der Donau ist für mich als Bergmensch eine wunderschöne Abwechslung. Die letzten 100km im aggressiven Gegenwind.

1. Tag 10. April: Innsbruck – Thalheim. Die erste Tages-Etappe ist geschafft !! Nach 256km, 9h 5min und 1.470 Höhenmetern kommen wir bei Dunkelheit in Thalheim bei Wels an. Nach einem tollen Start vor dem Goldenen Dachl in Innsbruck mit begeistertem Publikum aus aller Welt fanden wir trotz der gestern etwas länger ausgefallenen Abschieds-Party schnell in einen guten Rhythmus und hatten bis Salzburg den Wind im Rücken. Dann mussten wir gegen den Wind strampeln und haben zum Schluss – im Sog des Wirts vom Gasthaus Kohlstatt Thalheim, der uns entgegen gekommen war – nochmal so richtig Gas gegeben. Ein genialer erster Tag, Temperatur und Wetter waren auf unserer Seite.

Details: beide haben wir jeweils 25kg Ausrüstung. Inklusive Ski, Skitouren Schuhe, Rad und allem was wir in den nächsten 30 Tagen benötigen, komme ich auf 103kg, Gerrit auf 96kg. Staunen und viele Fragen gab´s beim Start beim Anblick unseres kleinen Gepäcks. Danke nochmal fürs Anfeuern!

DAS PROJEKT:
Als 2er Team machen wir uns am Dienstag, 10. April per Rad auf in den Iran. Dort ist unser Ziel, den höchsten Berg des Iran, den Vulkan Damavand 5.671m, mit Touren-Skiern zu besteigen.
Innerhalb von rund 30 Tagen wollen Gerrit Glomser und ich die gesamte Strecke vom Goldenen Dachl, Innsbruck bis nach Teheran und zum Fuß des Damavand mit unseren Rädern zurücklegen, den Gipfel besteigen und noch am selben Tag abfahren.

Bei diesem Unternehmen transportieren wir die gesamte benötigte Ausrüstung am Rad mit, also auch unsere Skiausrüstung. Ganz nach meinem altbewährten Motto LEICHT UND SCHNELL erreichen wir unser Ziel aus eigener Kraft, BY FAIR MEANS, ohne Begleitfahrzeug oder andere motorisierte Unterstützung. Über Wien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, und die Türkei erreichen wir den Iran und fahren über Teheran zum Fuß des Damavand. Der eindrucksvolle Vulkan ist der höchste Berg des Iran und gilt als höchster des Nahen Osten.

Als „Riesen“-Vulkan ist der Damavand für uns Alpenbewohner von Haus aus fremdartig und daher umso interessanter. Er gehört zum Elburs-Gebirge und gilt als eher exotisches Ziel. In Mitteleuropa kennt man ihn kaum. Inmitten einer beeindruckenden Landschaft ragt der Kegel heraus, zwischen kargen Bergwüsten und subtropischer Vegetation, am Südrand des Kaspischen Meeres.

Als Extremsportler und Reisender hat mich das Fremde immer schon angezogen und begeistert. Bewegung zu haben und dabei fremde Leute/Kulturen hautnah kennen zu lernen hat für mich einen besonderen Reiz. Außerdem kennt Sport keine Grenzen. Ich war immer schon spezialisiert auf die Kombination mehrerer Sportarten. Erst durch die Gegenüberstellung der einzelnen Disziplinen bekomme ich als Athlet die Eigenart jeder Einzelnen richtig zu spüren.