Floitenkamm non-stop

Von Mayrhofen (750m) zum Großen Löffler (3.379m) – Erster Versuch der non-stop Gesamtüberschreitung

Vorab möchte ich allen danken die ein solches Projekt erst möglich machen!

Der Floitenkamm. 16.5 km zwischen Himmel und Erde! Ein Grat- nein- ein Kamm der seinesgleichen sucht und noch nie durchgehend erklettert wurde. Wer die Alpingeschichte kennt weiss das es an Besuchen nicht mangelte (Buhl Hermann, Habeler Peter, Condin Hannes, Kröll Josef, …..u.v.m).

Ich habe die Tage zuvor verwendet um zwei Wasserdepots am Kamm einzurichtem und die Notabstiege zu erkunden! Es gibt genau 3mal die Möglichkeit den Kamm zu verlassen und KEIN Wasser! Dafür jede Menge Luft unter dem Hintern.
Der Wetterbericht war sehr gut, die Bergrettung informiert (wegen der
Lichter) und ein Betreuer auf der Greizerhütte postiert, er sollte uns die Steigeisen (AustriAlpin) für den Abstieg auf den gr. Löffler denn letzten Gipfel bringen.

Am 29 August, 2 Uhr morgens war es so weit!
Ein kleiner Rucksack (Kohla) gefüllt mit einem Wasserbeutel, einer Überjacke und Hose (Löffler), einem Akku, 500g Nüssen und ein paar Landjäger mit einer Semmel am Rücken. Mit einem Helm (AustriAlpin) und einer Lampe (Silva) am Kopf, Hose (zum abzippen), T-Shirt, Windstopper (Löffler) und einer Suunto am Körber, dazu einen Klettergurt mit 3 Schlaghacken, 3 Karabiner und einen Felshammer
(AustriAlpin) und 3 Friends ein 30m Seil und ein paar Schlingen und auf den Füssen einen Kletterschuh (Lowa)! Das muss für zwei Tage klettern (bis oberen 6ten Schwierigkeitsgrad) reichen. Aja- für die Not waren noch zwei Handys und etwas Pabier dabei. Perfekt!
Und das es kein Spaziergang werden würde war uns beiden klar!
Der Anstieg auf den ersten Gipfel hat alleine schon 2017 Höhenmeter und 24 Gipfeln sollten es werden?!

4 Uhr morens.
Der Rücken wird zum Kamm und wir machen einen kurzen Stopp, Licht aus, es ist Neumond und somit Stockdunkel! Genialer Ausblick, Schuhe fester binden und ….. ?
Was jetzt kommt bringt mich 16 Stunden später zum weinen! Um Energie zu sparen hatten wir bis jetzt nur eine Lampe an und die leuchtete jetzt nur mehr ganz schwach? Ein-Aus-Ein-Aus nach zwei Stunden ?
NEIN?! Noch nie hat mein Equipment vor mir aufgehört zu arbeiten?!
Stockfinster, klettern am Grad und eine Lampe und viele viele Fragen??….

5.30 Uhr morgens.
Es dämmert, zusammengekauert haben wir auf diesen Moment gewartet, es hat 5 Grad es ist feucht und uns ist S..kalt.

7 Uhr morgens.
Der erste Gipfel (2767m), das erste Wasserdepot ist erreicht. Foto und weiter, wir wollen es schaffen!……..10.30 Uhr.
Wir reiten auf dem Kamm, Auf und Ab, erst jetzt greifen wir das erste mal zu Seil! Abseilen,…

13 Uhr.
Ein Gipfel nach dem anderen wird erklettert, Blaser, Kammel und wie sie alle heissen. Der Grat spitzt sich immer mehr zu, die Sonne lacht, kein Wind und wir balancieren dem Kamm entlang. Stellenweise mit Seil doch meist ohne, unser Ziel immer vor Augen!

16.15 Uhr.
Wir stehen auf der Schliererspitze (2682m), geniessen kurz den
Ausblick- WAU- mir fehlen die Worte und Peter bemerkt ganz nebenbei das sein Trinkbeutel leer ist! Ca 4Stunden bis zum nächsten Depot?
Weiter, wir müssen das zweite Depot erreichen!

16.30 Uhr.
Jetzt ist auch mein Wasserbeutel leer! Nüsse kauend klettern wir am Seil und finden alte Hacken von unseren Vorgängern. Müde? Nein- kein bisschen!

18.15 Uhr.
Erst jetzt ist das erste Drittel geschafft, wir stehen am Floitenturm (2805m)! Nach aufregenter luftiger Kletterei haben wir kurz Zeit das erste mal den ganzen Kamm, von Anfang bis zum Ende, zu betrachten.
Peter wird immer ruhiger? Wasser? Ich dränge ,die Zeit läuft gegen uns, und übernehme die Führungsarbeit!
Kurz besprechen wir unsere Lage. Daraufhin beschleunige ich noch mehr, wir müssen zum Depot und unserem einzigen möglichen Schlafplatz weit und breit erreichen! Ab jetzt gehts nur abwärts, erst 3x Abseilen danach perfekte Gradkletterei, allertings rückwärts abwärts!

20 Uhr:
Die längste Zeit klettern wir am Seil, eine letzte Abseilstelle danach klettere ich alleine voraus um am Depot die 3 eineinhalb Liter Flaschen unter den Steinen rauszuholen. Am Abseiler höre ich Peter leise fluchen, das Seil, das Seil lässt sich nicht abziehen?! Ich klettere zurück doch Peter schafft das auch ohne mich! Wasser!!! und was jetzt?
Um 20.30 ist es hier wieder Stockfinster! Klettern, mit einer Lampe? NEIN!
Hier auf 2500m Schlafen, ohne irgentwas, 9 Stunden? NEIN!
Weiter runter und wieder Aufstieg in der Früh, dann ist es keine durchgehende Überschreitung mehr, das kann jeder!? NEIN!
Peter und ich schauen uns tief in die Augen, der Gedanke schmerzt! Ein verdammter Akku, mir trückt es das Wasser aus den Augen! NEIN!!!

20.05 Uhr:
Runter, Runter so schnell und weit wie es nur geht! Ich muss denn Notabstieg, einen kleinen Steig finden der uns zwischen denn senkrechten Felswänden durchführt und das bevor es dunkel wird! Die nächsten 35-40 Minuten waren hart! 1000 Höhenmeter runter, steile Grashänge, Steinblöcke und Platten mit einer Portion Wut im Bauch und dazu noch die Angst in diesem Gelände nächtigen zu müssen!

20.40 Uhr:
GESCHAFFT – wir haben es fast geschafft! Wir setzen uns an der Baumgrenze ins Gras und wissen das dieses kleine Steiglein uns nach unten bringt! Was wir nicht wissen – wie lange hält der zweite Akku?!
Normal? Die ganze Nacht! Wir Essen erst jetzt die Landjäger und die Semmel, trinken Wasser und sprechen kein Wort, es ist Stockfinster, wir lauschen der Dunkelheit! Vielleicht für 5,10,15 Minuten vergessen wir alles und geniessen die SCHÖNHEIT der Nacht und freuen uns wie kleine Kinder!

Ich rufe einen Kollegen bei der Bergrettung an und erkläre ihm unsere Lage. Er kennt diesen Ort bestens und startet zeitgleich mit uns! Eine Stunde später treffen wir uns im Tal am Einstieg! Nur 5 min später kommt unser Betreuer mit den Steigeisen! Gemeinsam gehts zur nächsten Hütte wo es Gott sei Dank noch ein paar Hefebier gab!

Nach dem ersten Hefe war es bereits klar, wir kommen wieder, ganz gleich ausgerüstet und wieder voller Freude!

Ein Perfekter Tag!

Am nächsten Tag musste ich feststellen das der 2te und der Reserve Akku (den wir nicht mit genommen haben) volle Leistungsdauer gehabt hätten?!?!

Naja – der nächste Sommer kommt bestimmt und dann,……!